Über Adolf Reichwein

Wer war eigentlich Adolf Reichwein?

Genau 27 Jahre nach seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten, also 1971, erhielt die im Jahre 1963 gebaute Mittelpunktschule Niederrodenbach den Namen Adolf Reichweins. Doch wer war dieser Adolf Reichwein?

Adolf Reichwein wurde 1898 als Sohn eines Lehrers geboren. Ihn prĂ€gten besonders die romantischen Ideale der damaligen Jugendbewegung (Wandervogelbewegung)  mit ihrem spezifischen Lebensstil und ihrer Kritik am Kaiserreich. Als 18-jĂ€hriger zog er als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg und wurde dort schwer verwundet. Wieder genesen studierte er in Frankfurt und Marburg Philosophie, Geschichte und Volkswirtschaft mit dem Ziel, in der Erwachsenenbildung tĂ€tig zu werden. Klassen-und Bildungsunterschiede zu ĂŒberwinden, sah er als pĂ€dagogische  Aufgabe an. Als Leiter der von ihm gegrĂŒndeten Volkshochschule in Jena in Zusammenarbeit mit den Zeiss-Werken konnte Reichwein viele seiner Ideen auch praktisch umsetzen und die Bildung der Arbeiter und Handwerker verbessern.

Von 1930 bis 1933 war er Professor an der neu gegrĂŒndeten PĂ€dagogischen Akademie Halle (Saale) und gestaltete als solcher die Ausbildung der Volksschullehrer. So gehörten fĂŒr ihn handlungsorientierter Unterricht mit Schulgarten und jahrgangsĂŒbergreifende Veranstaltungen zum pĂ€dagogischen Konzept, um SchĂŒler zu mĂŒndigen jungen Menschen zu erziehen. Seine Gedanken standen im Widerspruch zum nationalsozialistischen Gedankengut und so wurde Adolf Reichwein nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten aus politischen GrĂŒnden entlassen und als Volksschullehrer nach Tiefensee in Brandenburg versetzt, wo er bis 1939 viel beachtete Unterrichtsversuche im Sinne der ReformpĂ€dagogik und speziell der ArbeitspĂ€dagogik und Projektarbeit durchfĂŒhrte.

WĂ€hrend dieser Zeit hatte er viele Kontakte zu den verschiedenen Widerstandsgruppen gegen Hitler. Er wurde  Mitglied des sogenannten „Kreisauer Kreises“ zum Widerstand gegen das Hitlerregime,  erarbeitete fĂŒr diesen  ein schul-und kulturpolitisches Programm und war als Kultusministerkandidat im Falle eines erfolgreichen Umsturzes vorgesehen.

Im Juli 1944 wurde Adolf Reichwein von der Gestapo verhaftet und am 20. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.